Ab dem Wintersemester 2024/25 werden Jakob Dunkl, Gerd Erhartt und Peter Sapp vom österreichischen Architekturbüro querkraft als Gastprofessoren an der Fakultät für Architektur der CTU in Prag tätig sein.
Die Fakultät für Architektur CTU freut sich, durch die Verpflichtung von querkraft, einem der renommiertesten Architekturbüros aus Wien, weitere bedeutende Persönlichkeiten der zeitgenössischen Architektur begrüßen zu dürfen. Die Arbeit von querkraft, die sich durch eine Fokussierung auf den Menschen und die Entwicklung einfacher, aber wirkungsvoller Lösungen auszeichnet, soll den Studierenden wertvolle Impulse geben. Dekan Dalibor Hlaváček hebt hervor, dass die Designphilosophie von querkraft dazu beiträgt, nachhaltige und ansprechende Gebäude zu entwerfen.
Was die Gastprofessur für die Lehre bedeutet
Der Ansatz von querkraft lässt sich als praxisnahe Architekturvermittlung verstehen: Im Mittelpunkt stehen klare Entwurfsideen, der Bezug zum Menschen und die Frage, wie Architektur im Alltag funktioniert. Für die Studierenden bedeutet das nicht nur das Arbeiten an einer konkreten Aufgabe, sondern auch das Nachdenken über Nutzbarkeit, Atmosphäre und langfristige Qualität eines Gebäudes.
Gerade in einem Entwurfsstudio kann eine solche Gastprofessur helfen, den Blick zu erweitern: weg von rein formalen Lösungen hin zu Fragen nach Nutzung, Umnutzung und architektonischer Verantwortung.
Im Rahmen des Entwurfsstudios werden sich die Studierenden der technischen Universität Prag mit dem unvollendeten Kaufhaus Lamarr beschäftigen. Dieses Projekt, ursprünglich von OMA / Rem Koolhaas entworfen, befindet sich nach der Insolvenz des Investors in einem Zustand, der eine Anpassung der ursprünglichen Designideen erforderlich macht. Die Aufgabe der Studierenden wird es sein, dem Gebäude neues Leben einzuhauchen und es zu einem multifunktionalen Raum für Wohnen, Arbeiten und kulturelle Aktivitäten zu transformieren.
Warum das Projekt Lamarr für Architekturstudierende relevant ist
Die Beschäftigung mit einem unvollendeten Gebäude zeigt ein zentrales Thema moderner Architektur: bestehende Entwürfe müssen manchmal an neue Rahmenbedingungen angepasst werden. Statt bei Null zu beginnen, geht es dann darum, Potenziale im Vorhandenen zu erkennen und weiterzuentwickeln.
Für die Studierenden ist das eine reale Entwurfsaufgabe mit mehreren Ebenen: städtebauliche Einbindung, flexible Nutzung, räumliche Qualität und der sensible Umgang mit einem bereits begonnenen Architekturkonzept. Genau darin liegt der besondere Lernwert des Projekts.
Zusätzlich wird im Gebäude ein Kafka-Museum entstehen, um den 100. Todestag des Prager und Wiener Schriftstellers Franz Kafka zu ehren. Das Semesterprojekt der tschechischen Studierenden wird sich daher um die Metamorphose, Kafkas bekanntestes Werk, drehen und die Integration des Museums in das Designkonzept beinhalten.
Die Bedeutung von Metamorphose im Entwurfskonzept
Mit dem Verweis auf Kafkas Metamorphose wird eine inhaltliche Brücke zwischen Literatur und Architektur geschlagen. Der Begriff steht hier sinnbildlich für Veränderung, Übergang und Umgestaltung – also für genau jene Prozesse, die auch bei der Weiterentwicklung eines unvollendeten Gebäudes eine Rolle spielen.
So entsteht aus dem Projekt nicht nur eine bauliche Aufgabe, sondern auch ein konzeptioneller Rahmen, der den Entwurf stärker mit dem kulturellen Kontext Prags verbindet.
Die Gastprofessoren von querkraft betonen, dass ihr Ansatz darauf abzielt, nicht nur funktionale und nachhaltige Architektur zu schaffen, sondern auch emotionale Werte zu berücksichtigen. Sie ermutigen die Studierenden, sich vorzustellen, wie Architektur geschaffen werden kann, die sowohl geliebt als auch geschätzt wird und dadurch eine langfristige Wirkung erzielt. Das Ziel ist es, eine Architektur zu entwickeln, die in ihrer reinsten Form Liebe und Freude vermittelt und so höchste Nachhaltigkeit erreicht.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von querkraft Architekten ZT GmbH / Veröffentlicht am 15.07.2024
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FAQ zur Gastprofessur in Prag
Wer sind die Gastprofessoren?
Es handelt sich um Jakob Dunkl, Gerd Erhartt und Peter Sapp vom Wiener Architekturbüro querkraft.
Woran arbeiten die Studierenden?
Im Mittelpunkt steht das unvollendete Kaufhaus Lamarr, das zu einem multifunktionalen Ort mit Wohnen, Arbeiten und kulturellen Nutzungen weitergedacht werden soll.
Warum ist diese Gastprofessur interessant?
Weil hier Praxis aus der Architektur mit der Ausbildung an der Fakultät verbunden wird und die Studierenden an einer realen Entwurfsaufgabe arbeiten.
Was Studierende aus dem Entwurfsstudio mitnehmen können
- den Umgang mit einer vorhandenen architektonischen Ausgangslage
- das Denken in mehreren Nutzungen statt in einer Einzelaufgabe
- den Zusammenhang von Funktion, Atmosphäre und kulturellem Kontext
- die Frage, wie nachhaltige Architektur auch emotional überzeugen kann
Typische Herausforderungen bei der Umnutzung
Bei Projekten wie Lamarr besteht eine zentrale Aufgabe darin, das Vorhandene nicht vorschnell zu überformen. Typische Fehler wären etwa zu starre Grundrisse, zu wenig Rücksicht auf spätere Nutzungsänderungen oder ein Entwurf, der den bestehenden Baukörper zu wenig berücksichtigt.
Gerade deshalb ist die Verbindung von Bestand, neuer Nutzung und kulturellem Bezug ein anspruchsvoller Teil des Studios.
Funktionale und emotionale Architektur im Vergleich
Funktionale Architektur beantwortet vor allem die Frage, wofür ein Gebäude genutzt wird. Emotionale Architektur ergänzt diese Ebene um Atmosphäre, Identität und Wahrnehmung. Im besten Fall entstehen beide Qualitäten gemeinsam: Ein Gebäude ist dann nicht nur praktisch, sondern auch dauerhaft relevant und positiv besetzt.
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