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Schule

Kulturelle Diversität im Unterricht

aktualisiert: 25. Juli 2026 14:40
Schulklasse mit Lehrer
Schulklasse mit Lehrer © HockleyMedia/peopleimages.com /stock.adobe.com

Schulklassen sind vielfältig! Lehrkräfte, die die kulturelle Vielfalt im Unterricht achtsam würdigen, tragen dazu bei, dass sich ihre Schüler:innen – egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund – besser an die schulischen und emotionalen Anforderungen anpassen können. Dies belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Psychologie der UDE, die an Grundschulen im Ruhrgebiet durchgeführt wurde.

Was bedeutet kulturelle Diversität im Unterricht?

Kulturelle Diversität im Unterricht beschreibt die Vielfalt an Erfahrungen, Sprachen, familiären Hintergründen, Werten und Perspektiven, die Schüler:innen in eine Lerngruppe mitbringen. Gemeint ist nicht nur der Umgang mit Herkunft oder Migration, sondern auch die Frage, wie Unterricht so gestaltet wird, dass unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar und respektiert werden. Kultursensibler Unterricht setzt genau hier an: Er schafft Anerkennung, Orientierung und Teilhabe für alle Kinder.

Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen bloßem „Berücksichtigen“ und aktivem Einbeziehen. Wer Vielfalt nur erwähnt, erweitert den Horizont. Wer sie systematisch in Unterrichtsgespräche, Beispiele und Regeln einbindet, stärkt die Zugehörigkeit der gesamten Klasse.

In Zusammenarbeit mit Dr. Sauro Civitillo von der Universität Utrecht und Prof. Maja Schachner von der Universität Halle-Wittenberg untersuchten Dr. Francesca Ialuna und Prof. Philipp Jugert vom Lehrstuhl für Interkulturelle Psychologie – Migration und Integration den Zusammenhang zwischen kultursensiblem Unterricht und verschiedenen Aspekten der Schüler:innenentwicklung. Die Untersuchung umfasste 41 Lehrkräfte und 234 Viertklässler:innen, von denen 38% geflüchtet oder zugewandert waren. Die Forscher:innen wollten herausfinden, wie sich kultursensibles Unterrichten auf die schulische Leistung, das Gefühl der Zugehörigkeit zur Schule und die allgemeine Lebenszufriedenheit der Schüler:innen auswirkt. Zudem berichteten die Schüler:innen über ihre Wahrnehmung des kulturellen Diversitätsklimas im Klassenzimmer.

Dr. Francesca Ialuna stellte fest, dass ein von Lehrkräften selbst eingeschätztes kultursensibles Unterrichten mit besseren Deutschkenntnissen und mathematischen Fähigkeiten der Schüler:innen korreliert. Sie wies darauf hin, dass Schüler:innen, die sich mit multikulturellen Themen beschäftigen, sich stärker mit ihrer Schule verbunden fühlen und insgesamt wohler sind. Die Schüler:innen, die eine gleichwertige Behandlung durch ihre Mitschüler:innen erleben, zeigen bessere mathematische Leistungen. Diese Zusammenhänge gelten sowohl für Kinder mit Migrationshintergrund als auch für solche ohne Migrationserfahrung.

Das Forschungsteam kam zu dem Schluss, dass kultursensibles Unterrichten und ein positives Klima der kulturellen Vielfalt im Klassenzimmer die schulische und emotionale Anpassung aller Grundschulkinder unterstützen können, unabhängig von deren Migrationsgeschichte. Die Studie wurde im Rahmen des von MERCUR geförderten UA-Ruhr Forschungsprojekts „SIGN-Schulische Integration neuzugewanderter und geflüchteter Kinder“ finanziert.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Universität Duisburg Essen/ Veröffentlicht am 07.08.2024

Wie kann kulturell sensibler Unterricht im Schulalltag aussehen?

Kultursensibles Unterrichten beginnt oft mit kleinen Entscheidungen: Welche Beispiele nutze ich? Welche Perspektiven kommen in Gesprächsrunden vor? Werden Feste, Sprachen oder Familienformen nur am Rand erwähnt oder aktiv als Teil der Lerngruppe verstanden?

  • Beispiele und Aufgaben an unterschiedliche Lebenswelten anknüpfen
  • mehrsprachige Kompetenzen wertschätzen statt als Defizit zu behandeln
  • Regeln für respektvolle Kommunikation gemeinsam mit der Klasse klären
  • Gruppenarbeiten so gestalten, dass unterschiedliche Stärken sichtbar werden
  • Unterrichtsthemen mit Fragen nach Perspektiven, Erfahrungen und Deutungen öffnen

Gerade im Grundschulbereich kann schon eine konsequente Anerkennung von Vielfalt dazu beitragen, dass sich Kinder eher zugehörig fühlen und aktiver am Unterricht beteiligen.

Was bedeuten die Studienergebnisse für den Unterricht?

Die Untersuchung legt nahe, dass ein wertschätzender Umgang mit kultureller Vielfalt mit positiven Lern- und Zugehörigkeitserfahrungen zusammenhängt. Das ist ein wichtiger Hinweis für die Unterrichtspraxis, aber keine einfache Ursache-Wirkung-Gleichung für jede einzelne Klasse.

Für die Einordnung heißt das: Kultursensibles Unterrichten ist kein Zusatzthema, das nur gelegentlich auftaucht. Es betrifft die alltägliche Gestaltung von Lernumgebung, Sprache, Beziehung und Beteiligung. Genau darin liegt seine Relevanz für schulische Leistung und Wohlbefinden.

Typische Fehler im Umgang mit kultureller Vielfalt

Ein häufiger Fehler ist es, kulturelle Diversität nur dann zu thematisieren, wenn es um Herkunft oder Feiertage geht. Dadurch bleibt Vielfalt dekorativ statt didaktisch wirksam. Ebenfalls problematisch ist es, einzelne Kinder ungewollt zu Repräsentant:innen einer ganzen Gruppe zu machen oder Unterschiede vorschnell zu stereotypisieren.

Hilfreicher ist ein Ansatz, der Vielfalt als Normalfall versteht und zugleich Raum für individuelle Erfahrungen lässt. So wird aus einem Sonderthema ein fester Bestandteil einer inklusiven Lernkultur.

Checkliste für einen diversitätssensiblen Unterricht

  • Spiegeln meine Beispiele unterschiedliche Lebensrealitäten wider?
  • Bekommen mehrere Perspektiven im Unterricht Raum?
  • Werden Sprachressourcen der Kinder anerkannt?
  • Sind Gesprächsregeln für Respekt und Zuhören klar?
  • Werden Materialien und Aufgaben auf blinde Flecken geprüft?
  • Fühlen sich alle Schüler:innen als Teil der Lerngruppe angesprochen?

Diese Fragen helfen dabei, kulturelle Diversität nicht nur zu benennen, sondern im Unterricht dauerhaft sichtbar zu machen.

FAQ: Häufige Fragen zur kulturellen Diversität im Unterricht

Warum ist kulturelle Diversität im Unterricht wichtig?

Weil sie dazu beitragen kann, dass sich Kinder zugehörig fühlen, respektvoll miteinander umgehen und ihre unterschiedlichen Stärken im Lernen einbringen.

Was ist der Unterschied zwischen kultureller Diversität und kultursensiblem Unterricht?

Kulturelle Diversität beschreibt die Vielfalt in der Lerngruppe. Kultursensibler Unterricht ist die pädagogische Antwort darauf: Er berücksichtigt diese Vielfalt bewusst in Sprache, Auswahl von Inhalten und Klassenklima.

Wie kann man Vielfalt im Unterricht sichtbar machen?

Zum Beispiel durch vielfältige Beispiele, offene Gespräche über Perspektiven, respektvolle Regeln und Materialien, die unterschiedliche Lebenswelten nicht ausblenden.

Kultursensibler Unterricht: mehr als nur das Thema Herkunft

Der Beitrag der Studie zeigt vor allem eines: Entscheidend ist nicht, ob Vielfalt gelegentlich erwähnt wird, sondern wie sie im Alltag des Unterrichts behandelt wird. Kultursensibler Unterricht unterscheidet sich von einer rein symbolischen Thematisierung dadurch, dass er Beziehungen, Materialien, Aufgaben und Gesprächskultur mitdenkt.

Damit wird kulturelle Diversität nicht auf einzelne Feiertage, Länder oder Traditionen reduziert, sondern als lebendiger Teil des Lernens verstanden.

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