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Studium

Lehrkräftemangel mit attraktiver Ausbildung begegnen

aktualisiert: 2. Juli 2026 09:19
lehrer wischt die tafel im klassenzimmer
lehrer wischt die tafel im klassenzimmer © contrastwerkstatt /stock.adobe.com

Eine qualifizierte Lehramtsausbildung stellt langfristig einen entscheidenden Faktor im Kampf gegen den zunehmenden Lehrkräftemangel dar. Der hohe Abgang potenzieller Lehrkräfte während der Studienzeit ist aktuell ein großes Problem, das bundesweit zu spüren ist. Insbesondere in den ersten Semestern brechen mehr als 40 Prozent der Studierenden ihr Studium ab oder wechseln das Fach, wobei es gravierende regionale Unterschiede gibt. Aufgrund des dringenden Bedarfs sind Seiteneinsteiger und Quereinsteiger zu einer gängigen Lösung geworden.

Der Mangel an Lehrkräften wird weiterhin ein wachsendes Problem darstellen. Die Kultusministerkonferenz prognostiziert, dass bis 2035 etwa 68.000 Lehrkräfte fehlen könnten. Ein zentraler Bestandteil, um diesen Mangel zu beheben, ist die Verbesserung der Lehrkräftebildung. Dies zeigt sich in der Analyse des Stifterverbandes, die aufzeigt, dass zu viele potenzielle Lehrkräfte während ihres Studiums verloren gehen. Jährlich beginnen rund 47.400 Personen ein Lehramtsstudium, aber nur etwa 28.000 schließen es mit dem Referendariat ab. Fast 41 Prozent der Studierenden wechseln während des Studiums ihre Berufsperspektive. Die regionalen Unterschiede sind hier besonders auffällig. Der Bericht „Der Lehrkräftetrichter“ des Stifterverbandes liefert erstmals eine detaillierte Analyse der Abbrecherquoten im Lehramtsstudium, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

Der Blick auf die einzelnen Bundesländer verdeutlicht, dass der Schwund der Lehramtsstudierenden besonders im Osten höher ist, jedoch auch im Westen signifikante Zahlen zu verzeichnen sind. In Berlin beträgt die Abbrecherquote im Lehramtsstudium 64 Prozent, was bedeutet, dass zwei von drei Studierenden entweder abbrechen oder in ein anderes Bundesland wechseln. Auch in Nordrhein-Westfalen sind es etwa 50 Prozent. Sieben Bundesländer verzeichnen einen Verlust von mehr als 20 Prozent der Studierenden, wobei Sachsen-Anhalt mit einem Verlust von einem Drittel besonders herausragt. Während der Schwund während des Studiums größtenteils durch Studienabbrüche bedingt ist, wird der Abgang im Referendariat überwiegend durch einen Wechsel in ein anderes Bundesland verursacht. In Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg ist dieser Anteil besonders hoch, mit über 20 Prozent. Bundesweit brechen fünf Prozent der angehenden Lehrkräfte ihr Referendariat ganz ab.

Bettina Jorzik, Programmleiterin im Stifterverband, betont, dass durch die neuen Analysen klar ersichtlich wird, wann und warum potenzielle Lehrkräfte verloren gehen. Dies ermögliche es den Hochschulen, fundierte, datengestützte Entscheidungen zu treffen. Sie hebt hervor, dass eine höhere Ausbildungsqualität und ein besserer Theorie-Praxis-Bezug entscheidend sind, um mehr Menschen für den Lehrberuf zu gewinnen, obwohl diese Maßnahmen langfristige Lösungen erfordern und nicht sofort helfen können, den akuten Lehrkräftemangel zu beheben.

In der Zwischenzeit sind Quereinstiege und Seiteneinstiege weit verbreitet und eine gängige Lösung, um die Lehrkräftelücke zu füllen. Insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist der Anteil von Seiteneinsteigern besonders hoch, sodass hier jede dritte Lehrkraftstelle auf diesem Weg besetzt wird. In anderen Bundesländern ist der Bedarf an Quereinsteigern ebenfalls groß, um den Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten. Daher sollte der Seiteneinstieg als regulärer, dritter Zugang zum Lehrberuf anerkannt werden, unter der Voraussetzung, dass begleitende Qualifizierungsmaßnahmen und eine Mindestqualifikation vor dem Einsatz an Schulen sowie eine Qualitätskontrolle gewährleistet sind.

Die Analyse der Lehrkräftetrichter gibt wichtige Impulse, um gezielte Maßnahmen in der Lehrkräftebildung zu ergreifen. Es wird empfohlen, den Praxisbezug in der Ausbildung weiter zu verstärken, um Studienabbrüche und Studiengangswechsel aufgrund fehlender Praxisnähe zu reduzieren. Eine bessere Abstimmung zwischen Studium und Referendariat könnte ebenfalls einen positiven Effekt haben. Zudem sind weiterführende Daten nötig, um die genauen Ursachen für das Abbrechen des Studiums zu verstehen und entsprechend Anpassungen vornehmen zu können.

Die vollständige Studie des Stifterverbandes „Der Lehrkräftetrichter – Länderausgabe“ ist auf der Webseite des Stifterverbandes zum Download verfügbar.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft/ Veröffentlicht am 28.11.2024

Warum brechen so viele Lehramtsstudierende ab?

Neben der fachlichen Belastung spielen oft mehrere Faktoren zusammen: fehlender Praxisbezug, Unsicherheit über den Berufsalltag, hohe Anforderungen in den ersten Semestern und die Frage, ob das gewählte Fach wirklich zum eigenen Profil passt. Auch der Übergang vom Studium in das Referendariat kann eine Hürde sein, wenn Inhalte und Abläufe zu wenig aufeinander abgestimmt sind.

Gerade deshalb reicht es nicht, nur mehr Studierende zu gewinnen. Entscheidend ist, sie durch das Studium zu begleiten und frühzeitig besser auf die berufliche Realität vorzubereiten.

Welche Zugänge zum Lehrberuf gibt es – und worin unterscheiden sie sich?

Das klassische Lehramtsstudium führt über mehrere Ausbildungsphasen in den Beruf und legt den Schwerpunkt auf Fachwissen, Didaktik und Praxisanteile. Das Referendariat dient anschließend dazu, diese Grundlagen unter realen Bedingungen zu festigen. Der Quer- oder Seiteneinstieg ist dagegen ein alternativer Weg, um kurzfristig Personalbedarf zu decken.

Wichtig ist: Diese Zugänge erfüllen unterschiedliche Funktionen. Während Studium und Referendariat vor allem auf Qualität und langfristige Berufsbefähigung zielen, dient der Seiten- oder Quereinstieg eher der schnellen Entlastung des Systems.

Typische Schwachstellen in der Ausbildung

  • zu wenig Verbindung zwischen theoretischen Inhalten und schulischer Praxis
  • zu späte Orientierung auf den späteren Berufsalltag
  • fehlende Abstimmung zwischen Studium, Referendariat und Einsatz an Schulen
  • zu hohe Abbruchrisiken in frühen Studienphasen
  • zu wenig Unterstützung beim Übergang in belastende Ausbildungsabschnitte

Wer den Lehrkräftemangel langfristig verringern will, muss diese Schwachstellen nicht nur benennen, sondern systematisch angehen.

FAQ: Attraktive Ausbildung gegen den Lehrkräftemangel

Warum hilft eine bessere Ausbildung gegen den Lehrkräftemangel?

Weil weniger Studierende das Fach wechseln oder abbrechen und mehr angehende Lehrkräfte den Weg bis ins Referendariat und in den Beruf gehen.

Warum löst eine bessere Ausbildung das Problem nicht sofort?

Weil Reformen in Studium und Referendariat erst mittel- und langfristig wirken, während der akute Bedarf an Schulen kurzfristig bleibt.

Warum spielen Quereinsteiger und Seiteneinsteiger trotzdem eine Rolle?

Weil sie helfen, offene Stellen schneller zu besetzen. Sie ersetzen aber keine stabile, gut ausgebildete Lehrkräftebasis.

Checkliste: Was eine attraktivere Lehrkräfteausbildung ausmacht

  • früher und klarer Praxisbezug im Studium
  • bessere Abstimmung zwischen Hochschule und Schule
  • verständliche Übergänge zwischen Studium, Referendariat und Beruf
  • begleitete Qualifizierung für Seiteneinsteiger
  • regelmäßige Qualitätskontrolle der Ausbildungswege
  • mehr Unterstützung in belastenden Ausbildungsphasen

Je klarer diese Punkte zusammenwirken, desto eher kann die Ausbildung dazu beitragen, mehr zukünftige Lehrkräfte im System zu halten.

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